Kulmberg

 

Der 975 hohe Kulmberg bei Weiz ("Kulm" = slawisches Lehnwort aus nordisch "Holm" = Felsklippe , Inselberg), wegen seines Panoramablicks über die Oststeiermark bis ins Pannonische Tiefland auch "Steirischer Rigi" genannt, war jahrtausendlang Zufluchtsberg für Siedler.

Nach archäologischen Funden bereits seit der Stein-Kupferzeit (ca. 4 400 - 2 300 vor Christus) bewohnt, diente er vielleicht schon in vorchristlicher Zeit als Kalender- und Opferberg. Im 18. Jahrhundert als Kalvarienberg christianisiert, ist er bis heute reger Anziehungspunkt für Wallfahrer ("Wetterbeter"). Kreidfeuerstation in den Türkenkriegen (16. Jahrhundert), Ziel von "Hexenflügen" (17. Jahrhundert) und letztlich meditativer Platz des Mystikers Jakob Lorber zu Ende des 19. Jahrhunderts.

Stein- Kupferzeit

 

Archäologische Untersuchungen 1977 (Ausgräber Diether Kramer, Joanneum Graz) konnten erste Siedlungen der Stein-Kupferzeit (Bauern der Lasinja - Kultur ) aufgrund von Keramikbruchstücken bikonischer Schüsseln und Schalen aus grauem, gelblichem und rötlichem Ton feststellen.


Steinaxt

Daneben konische und halbkugelige Formen von Töpfen mit eingezogenen Rändern und bauchige Näpfe. Dieses Inventar wird noch durch Schalen aus grauem, gelblichen und rötlichen Ton mit kleinen Bandhenkeln, Buckeln und Griffzapfen ergänzt. Als Klaubfunde konnten aus dieser Epoche Steingeräte (Pfeilspitzen, Schaber, Klingen, kleine Flachbeile) geborgen werden.

Bronzezeit

 

In der nächsten Siedlungsphase, der späten Bronzezeit (Urnenfelderzeit) 900 - 700 vor Christus wurden augenscheinlich Hausplätze in den Felsgrund der Ostseite des Gipfelplateaus gehackt, um mit diesen Terrassen Raum für etwa 300 Bewohner zu schaffen. Auch dürfte der Berggipfel damals zum ersten Mal mit einem Erdwall befestigt worden sein.

 

Der überwiegende Anteil der Keramikfunde entstammt dieser Epoche, spektakulär ist jedoch ein Depotfund von vielen Bronzesicheln innerhalb des Siedlungsgeländes ("Typus Wildon, Variante Pischelsdorf"), Diether Kramer


Bronzesichel

Bei Grabungen 1977 wurden wenig Belege aus der Hallstattzeit geborgen, so dass ursprünglich die These von der Absiedelung der Bewohner dieser Phase auf den benachbarten Buchberg (St. Johann / Herberstein) vertreten wurde. Inzwischen ist diese Annahme durch eine Reihe von Klaubfunden (Datierung HA) revidiert (BDA B. Hebert, Graz).

Spätlatènezeit

 

Eine weitere zentrale Rolle dürfte der Kulm in der Spätlatènezeit gespielt haben. Hier erfolgte (laut Ausgräber O. H. Urban Wien, 1987), die Krönung des Berggipfels mit einem keltischen Oppidum. Die Befestigung wurde mit einer Schalenmauer (erstes Jahrhundert vor Christus) und einem großen Zangentor im SO der Anlage strategisch gesichert.

Durch den Fund (Grabung 1977) einer frühlatènezeitlichen Fibel (400 vor Christus) ist außerdem einer der ältesten Belege von Kelten in der Steiermark auf dem Kulm erbracht.

Römische Kaiserzeit

 

Aus der römischen Kaiserzeit sind ebenfalls Keramikreste, auch Stücke von Dachziegeln ("tegulae") zutage getreten. Zu diesem Zeitpunkt scheinen die Bewohner aber schon ins Tal abgesiedelt worden sein, und der Berg vermutlich kultischen Zwecken (Heiligtum der Isis Noreia?) gedient haben.


Römermünze

Die Römermünzen, hauptsächlich Klaubfunde auf dem Gipfelplateau, waren Dupondien Kaiser Domitians (erstes Jahrhundert nach Christus), Antonius Pius (zweites Jahrhundert), Caracallas (drittes Jahrhundert) und Otacilias, der Gattin des Kaisers Philippus d. Ä. (drittes Jahrhundert).

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